Bericht von Elisabeth aus Bethsaida
- Elisabeth Eisenhut

- 4. März
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Stunden
Nach langer Zeit reiste ich am 9. Januar 2026 wieder ins Bethsaida, wo mich Christine, unsere 1. Vorsitzende, schon erwartete. Bald darauf trafen auch die Schweizer VorstandskollegInnen ein. Für uns alle begannen ereignisreiche Tage mit zahlreichen Gesprächen und regem Gedankenaustausch. Dank der gemeinsam verbrachten Zeit konnten wir unsere länderübergreifende Zusammenarbeit noch einmal intensivieren. Wir hatten das große Glück an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen zu dürfen.
Community Event Am 17.1. nahmen wir gemeinsam am Community Event, der Essensausgabe an Bedürftige, teil. Die Hotelfachschüler hatten große Tüten mit Lebensmitteln vorbereitet: von ihnen selbst zubereitete Gemüsechutneys, Gemüse aus dem Gemeinschaftsgarten, Brot und für Kinder etwas Süßes, dazu für jede Person ein kleiner Geldbetrag. 157 Menschen aus den umliegenden Dörfern kamen zur Essensausgabe, unter ihnen überwiegend alte Menschen und Mütter mit Kindern. Zusammen mit den Hotelfachschülern verteilten wir die Tüten. Im Anschluss schenkten die Schüler Tee aus und boten selbst gebackene Plätzchen an. |
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Convocation Am 24.1. waren wir zur Convocation eingeladen, der gemeinsamen Schulabschlussfeier der Absolventen der Trivandrum Hotel School und des Holistic Health Care Institute, der Schule für Ayurveda-TherapeutInnen und PflegeassistentInnen. Wir trafen auf festlich gekleidete freudestrahlende Schulabgänger und wir alle freuten uns mit ihnen über ihren Erfolg. Nach Fredericks Eröffnungsrede und Anita Clercs (Präsidentin FMI Schweiz) Glückwünschen an die Schüler gratulierten wir als Vertreter von FMI ihnen zu ihrem Abschluss und vor allem zu ihrer großartigen Motivation und ihrem Durchhaltewillen während der Ausbildung.
Auch Lehrer der drei Schulen würdigten den Einsatz der Schüler. Die beiden Schulsprecher bedankten sich für die umfassende Ausbildung und die vielen guten Wünsche. Anschließend überreichten wir zusammen mit den Lehrern die Zeugnisse. Es war eine sehr würdevolle Feier, eingebettet in ein Rahmenprogramm mit vielen Gesangs- und Tanzeinlagen.
Die Auszubildenden des verbleibenden Schuljahrgangs der Hotelfachschule hatten für ihre scheidenden KollegInnen und die Gäste ein Büffet aufgebaut und sich dabei selbst übertroffen. Bei Aperitif und Snacks vor der Feier und beim gemeinschaftlichen Essen nach der Feier fanden wir die Gelegenheit zum Gespräch mit den Schülern und erfuhren, dass etliche von ihnen schon einen Arbeitsplatz gefunden haben. Das Ausbildungsprogramm der Schulen ist bei Arbeitgebern sehr angesehen. Einige Schüler bekamen bereits während ihres Berufspraktikums in anderen Hotels ein Stellenangebot.
Von meinen Therapeutinnen erfuhr ich, dass inzwischen sechzehn AbsolventInnen der Therapieausbildung (Start in 2023) im Bethsaida beschäftigt sind.
Die Ausbildung an den Schulen von Bethsaida Charities Inn bietet wertvolle Beschäftigungsmöglichkeiten mit Einkommen als Lebensgrundlage für junge Männer und Frauen vor Ort. Arbeitslosigkeit ist eine der Hauptursachen von Armut in diesem bevölkerungsreichen Gebiet rund um Thrivandrum. Alle Ausbildungsgänge sind von der indischen Regierung anerkannt, und Frederick wurde mehrfach für seine Ausbildungsprogramme ausgezeichnet. |
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Besuch der Rosa Mystica Schule Während unseres Aufenthalts besuchten wir zusammen mit Frederick auch die Rosa Mystica Schule (ehemals Marion Public School), die derzeit von ca. 750 Schülern besucht wird. Neben dem normalen Unterricht wird dort in einem eigens für die Schüler errichteten Becken seit einigen Jahren Schwimmunterricht angeboten. Leider stehen Eltern diesem Angebot immer noch skeptisch gegenüber. Nur wenige sind einverstanden, dass ihre Kinder am Schwimmunterricht teilnehmen. Viele Familien leben in Strandnähe, Kinder kommen im Meer ums Leben. Frederick wollte mit gezieltem Schwimmunterricht weitere tödliche Badeunfälle verhindern. Es ist sehr bedauerlich, dass das Angebot nicht voll umfänglich angenommen wird.
Besuch bei den Karmeliterinnen Im Anschluss an den Schulbesuch trafen wir im nahegelegenen ehemaligen Mädchenwaisenhaus Father Bernadine und die Leiterin des Karmeliterinnen-Klosters. Die Nonnen sind von ihrem kleinen Klostergebäude in die leerstehenden Räume des Mädchenhauses und der ehemaligen Mädchenschule umgezogen. In Kerala hat sich die Situation für junge Frauen in den letzten Jahren geändert. Generell haben sich ihre Chancen verbessert. Sie sehen für sich langsam Perspektiven auf dem freien Arbeitsmarkt und Zugang zu beruflicher Bildung. Das Leben in einem Kloster verliert so für viele an Anziehungskraft und es herrscht Nachwuchsmangel bei den Karmeliterinnen.
Wie wir erfuhren, kommen inzwischen die meisten Postulantinnen aus armen Familien aus Nordindien. Das Leben in der Klostergemeinschaft, verbunden mit einer Berufsausbildung und anschließender Weiterbeschäftigung als Lehrerin oder Animatorin / Sozialarbeiterin, ist für sie eine Möglichkeit ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Allerdings brechen einzelne junge Frauen schon während des Postulats ab, weil sie die für sie vollkommen neue Umgebung als schwierig empfinden (ca. 2.000 km von zuhause, ungewohntes Essen, das in Kerala gesprochene Malayalam ist eine Fremdsprache für sie - kurzum manchmal wird das Heimweh zu groß).
Die Karmeliterinnen besuchen Bethsaida Dass die Postulantinnen und Novizinnen neben spirituellem Leben durchaus Freude an weltlichen Dingen haben, durften wir ebenfalls erleben. Auf der Bühne des kleinen Amphitheaters gestalteten sie einen bunten Unterhaltungsabend für die Gäste des Bethsaida. Neben klassischen indischen Tänzen in passenden Kostümen führten sie auch moderne, an Bollywood angelehnte Tänze auf. Wir alle waren begeistert. |
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Auch die Bethsaida Women Development Society hat inzwischen Räumlichkeiten in dem ehemaligen Mädchenwaisenhaus bezogen. Hier können junge Frauen Kurse belegen (Tastaturschreiben, Computer) und auch handwerkliche Fähigkeiten wie Schneidern und Sticken erlernen. |
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Community Garden Gegen Ende unseres Aufenthalts waren wir und die Schweizer Kolleginnen zwei Tage mit Malu und Gopa Kumar im großen Community Garden. Sie erklärten uns das von Paul Urech (Schweizer Agrarökonom) und Sabine Agster ausgearbeitete Konzept zur Bewirtschaftung des Gartens. An den einzelnen Gemüse-/Obstreihen brachten wir unter Anleitung entsprechende numerierte umd laminierte Infotafeln mit expliziten Bezeichnungen und Arbeitsanleitungen zum Gießen und Düngen an. In einem separaten Ordner wird auf Datenblättern zusätzlich jeder Arbeitsschritt mit Datum erfasst. Diese "internationale" Zusammenarbeit hat uns allen viel Freude gemacht. |
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Malu zeigte uns ihren Arbeitsplatz in einem kleinen Büro auf dem Gartengelände und erklärte uns an ihrem PC die konkreten Aufgaben, die sie in Tabellen zusammenfasst. Wann immer sie bei der Gartenbetreuung ein bisschen Leerlauf hat, stellt sie in ihrem Büro Kerzen für die Kirche her. |
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Der Community Garden soll zu einem Lehrgarten für die Bethsaida Schüler und Studenten einer nahegelegenen Landwirtschaftsschule werden, d.h. ihnen sollen in der Praxis erste relevante Kenntnisse zu ökologischem Obst- und Gemüseanbau vermittelt werden. Auch Hotelangestellte sollen sich dort Anregungen zur Bewirtschaftung eines eigenen kleinen Gartens holen können.
Gesundheitsfürsorge: Medical Camp und Zahnarztpraxis Über das Medical Camp wurde in einem früheren Newsletter bereits berichtet. In regelmäßigen Abständen bieten die Ayurveda-Ärzte des Bethsaida Sprechstunden für Menschen an, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.
Ein Hilfsprojekt, das noch nie Erwähnung fand, ist die kleine Zahnarztpraxis auf dem Bethsaida-Gelände. Dort behandelt Daniel, Fredericks Schwiegersohn, unentgeltlich Bedürftige aus den umliegenden Dörfern. Eingerichtet wurde die Praxis u.a.mit Hilfe der Schweizer Rotarier, die den Behandlungsstuhl spendeten. Die medizintechnische Einrichtung wurde von Frederick finanziert - und sie ist sehr gut, wie Sabine Agster, Zahnärztin in der Schweiz, befand.
Mit Hilfe einer kleinen Kamera überträgt Daniel Aufnahmen aus dem Mundinnenraum direkt auf einen Bildschirm beim Behandlungsstuhl. Anhand der Bilder erklärt er dem Patienten die Behandlungsschritte. - Ich war platt, diese Technik kannte ich von meinem Zahnarzt nicht. Weshalb ich so gut informiert bin? - Aus eigener Erfahrung. Ein Aushang bei den Sprechzimmern der Ärzte weist auf die Möglichkeit der Zahnreinigung hin. Ich bat um einen Termin und bekam kurz darauf einen. Mit dem Ergebnis bin ich hochzufrieden! Ich kann Daniel wärmstens empfehlen. Er ist sehr freundlich, zugewandt und arbeitet sehr sorgfältig.Begeistert erzählte ich anderen Gästen von meinem Zahnarzttermin. Und kurz darauf buchte ein anderer Gast einen Termin. Auch sie war begeistert.
Für uns alle war es eine ereignisreiche Zeit mit zahlreichen Einblicken in Fredericks unermüdlichen Einsatz für die Bedürftigen mit vielen berührenden Momenten. Das war mein Bericht aus Bethsaida.
Elisabeth Eisenhut, stv. Vorsitzende Februar 2026 |
















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